Hilfe, wie kriegt L&D mehr Lernzeit in die Arbeitsalltage der Lernenden?

Wie kriegen wir eigentlich trotz übervoller Kalender mehr Lernzeit in die Arbeitsalltage unserer Lernenden?

Meine Lösung: Lernangebote so gestalten, dass sie an bestehende Routinen andocken und in ganz kleinen Zeitinseln funktionieren – und dort, wo das nicht reicht, aktiv neue Lernzeit schaffen. 5 konkrete Ideen, wie das klappt, gibt es in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis:

    Unsere Kalender sind so voll

    “Unsere Kalender sind so voll! Wo soll denn hier noch Lernzeit reinpassen?”

    Nickt ihr gerade intuitiv bei diesem Satz? Wie oft habt ihr den schon von euren Lernenden gehört?

    Wir bewegen uns als L&Dler aus meiner Sicht schon eine ganze Weile in einem ziemlichen Paradox: Einerseits ist allen vollkommen klar, dass Lernen essenziell ist. Und andererseits scheint im Alltag trotzdem überhaupt kein Platz dafür zu sein.

    Ich finde, auf dieses Paradox können wir auf zwei Arten reagieren:

    Entweder wir stecken den Kopf in den Sand und resignieren, weil für unsere Lernenden einfach keine Lernzeit bleibt. Oder wir als Learning & Development fangen an, bewusst Rahmenbedingungen und Formate zu schaffen, in denen Lernen möglich wird - nicht per Knalleffekt, sondern mit kleinen Ideen und Schritt für Schritt.

    Wie das gehen könnte?

    5 Ideen, wie wir als L&D mehr Lernzeit schaffen können

    #1 Kaffeepause = Lernpause

    Wie wäre es, wenn ihr Lernimpulse so klein aufbereitet, dass sie in eine Kaffeepause passen?

    Dabei geht es gar nicht darum, in diesen Mini-Fenstern komplette Lernpfade unterzubringen, sondern darum, mit kleinen 5-Minuten-Impulsen weiterzuhelfen.

    Dabei hilft aus meiner Erfahrung ein kleiner Mindset-Shift: In Lernpflastern statt in Lernpfaden denken. Heißt, wenn ein Lerninhalt in eine Kaffeepause passen soll, muss er radikal klein gedacht sein: ein konkretes Problem, eine kleine, hilfreiche Lösung, ein direkter nächster Schritt.

    Wie funktioniert das konkret: Baut eine wachsende Sammlung an Mini-Lernpflastern auf, die sich konsequent an den echten Problemen eurer Lernenden orientiert. Fragt aktiv ab, welche kleinen Probleme im Alltag immer wieder auftauchen – über kurze Umfragen, im Austausch mit Führungskräften oder über einen niedrigschwelligen Kanal, in dem Lernende selbst Probleme einwerfen können.

    Aus dieser Sammlung werden dann Stück für Stück 5-Minuten-Pflaster: ein kurzer Artikel zu „Wie starte ich ein schwieriges Feedbackgespräch?", ein 3-Minuten-Video zu „Wie schreibe ich einen guten Prompt?" oder ein Podcast-Ausschnitt zu „Wie strukturiere ich meine Mails klarer?". Macht die Sammlung leicht zugänglich (z.B. über einen zentralen Kanal), sodass Mitarbeitende sich unkompliziert bedienen können.

    #2 Lernzeit als Meeting-Steuer

    Wie wäre es, wenn Lernen ein fester Bestandteil der Meetings in eurer Organisation wird - und zwar als kleine „Steuer", die jede:r zahlt, der ein Meeting einberuft?

    Die Idee: Wer ein Meeting einberuft, plant verpflichtend 5 Minuten Lernimpuls mit ein. Diese 5 Minuten gehören fest zur Agenda und werden aktiv gestaltet.

    Der Tipp klingt zugegebenermaßen nach “Planungsaufwand” für eure Menschen, hat aber den Effekt, dass Lernen in bestehende Meeting-Zeit hineingewoben wird, ohne dass neue Termine entstehen. Und möglicherweise führt er sogar dazu, dass man sich überlegt, ob es wirklich ein Meeting braucht, wenn man dabei Lernzeit mitplanen muss.

    Wie funktioniert das konkret: Startet ein 4-Wochen-Experiment in eurer Organisation (oder in einem Pilot-Team). Wer in diesem Zeitraum ein Meeting einberuft, „zahlt" 5 Minuten Meeting-Steuer in Form eines Lernimpulses. Damit das machbar bleibt, könnt ihr den Rahmen klar abstecken: z.B. nur für interne Team-Meetings ab einer bestimmten Größe oder Dauer.

    Und damit die 5 Minuten für niemanden zur Hürde werden, koppelt das Experiment doch direkt an eure Pflaster-Sammlung aus Tipp 1: Vor jedem Meeting kann sich der/die Einberufer:in entweder ein passendes Pflaster aus der Sammlung greifen oder einen eigenen Lernimpuls einbringen. Wer mag, kann sogar vorab eine kurze Umfrage im Team starten, welches Pflaster diesmal Sinn macht – so wird der Lernimpuls direkt anschlussfähig an das, was die Teilnehmenden gerade beschäftigt.

    ***

    So, mit den ersten beiden Tipps haben wir Lernen in bestehende Zeitfenster eingewoben – in Mini-Pausen und in bestehende Meetings. Manchmal reicht das aber nicht. Manchmal müssen wir aktiv neue Lernzeit schaffen. Genau dafür sind die nächsten drei Ideen gedacht.

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    #3 Kalender-”Frühjahrsputz”

    Wie wäre es, wenn ihr als L&D aktiv dabei helft, Raum für Lernen zu schaffen?

    Wie funktioniert das konkret: Bietet angeleitete „Kalender-Frühjahrsputz“-Sessions an. Gemeinsam mit euren Lernenden (oder Führungskräften) schaut ihr auf bestehende Termine: Was braucht es wirklich noch? Wo entstehen unnötige Serientermine? Und wo lassen sich bewusst Fokus- und Lernzeiten freischaufeln?

    Das Schöne daran: Ihr schafft nicht nur Raum fürs Lernen, sondern unterstützt ganz nebenbei auch bei einem der größten Pain Points im Arbeitsalltag.

    #4 Lernzeit-Anker

    Wie wäre es, wenn die im Frühjahrsputz freigeräumten Zeitfenster nicht direkt wieder mit neuen Meetings gefüllt werden? Das geht ja bekanntlich schneller als man denkt…

    Wie funktioniert das konkret: Helft euren Lernenden dabei, die freigeräumten Slots als wiederkehrende „Lernzeit-Anker" im eigenen Kalender zu sichern. Dafür könnt ihr einen kleinen Werkzeugkasten bereitstellen: eine Termin-Vorlage mit klarem Titel, ein paar Formulierungen, mit denen man den Slot gegenüber Meeting-Anfragen freundlich verteidigt, und optional ein gemeinsames Commitment im Team, diese Slots gegenseitig zu respektieren.

    Das Schöne dabei: Eure Rolle ist nicht, Lernzeit zu kontrollieren. Sondern es so leicht wie möglich zu machen, sich selbst welche zu nehmen und zu schützen. Was die Lernenden daraus machen, liegt bei ihnen.

    #5 Learning Library

    Wie wäre es, wenn ihr als L&D einen festen Lernraum anbietet – unabhängig davon, was genau gelernt wird?

    Die Idee: Es gibt einen wiederkehrenden Slot im Kalender, der klar fürs Lernen reserviert ist. Was die Teilnehmenden in dieser Zeit lernen, entscheiden sie selbst.

    Wie funktionert das konkret: Etabliert regelmäßige „Learning Library“-Sessions (z.B. 30–60 Minuten), die offen für alle sind. Der Rahmen ist bewusst einfach gehalten: Alle kommen zusammen (physisch oder virtuell), bringen ihr eigenes Lernthema mit und nutzen die Zeit fokussiert dafür.

    Optional könnt ihr kleine Templates oder Impulse mitgeben (z.B. zum Festhalten von Erkenntnissen) – im Kern geht es aber darum, einen verlässlichen Raum zu schaffen, in dem Lernen selbstverständlich Platz hat.

    Fazit

    Lernzeit fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht da, wo wir L&Dler sie ganz bewusst bauen: in Mini-Pausen, in Meetings, in freigeräumten Slots, in geschützten Ankern und festen Lernräumen.

    Deshalb: sucht euch doch die Idee hier aus der Liste aus, die in eurem Kontext am leichtesten anzustoßen ist und probiert sie 4 Wochen lang aus.

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